SCHILDERUNG eines Crypto-Betrugsfalls
In Berlin nahm Gustav Pfeil über Telegram und anschließend täglich über WhatsApp Kontakt zu einer Person auf, die sich als „Thomas Meier“ ausgab. Die Kommunikation war höflich und zielgerichtet. Meier präsentierte ein Online-Dashboard mit vermeintlichen Handelserfolgen und motivierte zu ersten Testüberweisungen von 250 €, gefolgt von zunehmenden Beträgen über Crypto.com und später Coinbase.
Auf Anweisung installierte Pfeil AnyDesk, um „einen schnellen Check“ zu ermöglichen. In der Folge transferierte er Gelder an vorgegebene Ethereum- und Solana-Adressen, während das Dashboard durchgehend wachsende „Gewinne“ ausgab. Beim Versuch, eine Auszahlung zu veranlassen, erschien die Meldung „Verifizierung ausstehend“. Kurz darauf meldete sich telefonisch eine Person, die sich als Mitarbeiter von Blockchain.com ausgab, und forderte eine „Verifizierungsgebühr“ von 13 % von 400.000€ investiertem Kapital mit der Begründung, andernfalls würden Mittel eingefroren. Pfeil leistete weitere Zahlungen. Danach brach die Kommunikation mit „Thomas Meier“ ab.
Pfeil wandte sich an den Forensiker we protect crypto und übergab Chatprotokolle, Adressen und Zahlungsbelege. Die Auswertung ergab typische Merkmale eines „Pig-Butchering“-Betrugs: initiale Kontaktaufnahme über Messenger, Vertrauensaufbau, Darstellung manipulierter Gewinne, Eskalation der Einzahlungen, Blockade der Auszahlung und Druck durch Schein-Compliance-Anforderungen. On-Chain-Spuren deuteten auf Intake- und Collector-Wallets, Konvertierungen (u. a. über DEX-Swaps) sowie Einzahlungen bei Binance hin.
Ein Blockchain-Analyst nahm die Spur auf. Mit digitalen Werkzeugen verfolgte er die Wege der verschwundenen Coins. Alle Fäden liefen zusammen in eine Adresse. Von dort begann das große Zerlegen und Verschleiern – dutzende Transaktionen, winzige Beträge, rasende Geschwindigkeit. Ein Lehrbuchbeispiel für Layering.
Pfeil bereitete daraufhin die Strafanzeige vor und leitete mit Unterstützung des Forensikers die erforderlichen Schritte zur Sicherung von Beweismitteln und zur Kontaktaufnahme mit betroffenen Dienstleistern ein.
Vorteile dURCH Forensik im Fall Pfeil
- Beweissicherung:
Alle Transaktionen wurden lückenlos dokumentiert und mit Hashes belegt. Screenshots und Exportdateien zeigen eindeutig, dass Fabrizio Eigentümer der betroffenen Wallets war. - Nachvollziehbarkeit des Geldflusses:
Obwohl die Täter versuchten, durch Layering Spuren zu verwischen, konnte der Weg der Bitcoins bis zu bekannten Börsen verfolgt werden. Damit entsteht ein klarer „roter Faden“ für Ermittler. - Ansatzpunkte für Ermittlungen:
Da die Coins an Börsen wie Binance oder Cash App gelandet sind, können über KYC-Daten die realen Identitäten der Täter ermittelt werden. Dies eröffnet die Möglichkeit, Gelder einzufrieren, sobald Behörden tätig werden. - Rechtliche Verwertbarkeit:
Ein sauberer, neutraler Bericht erleichtert die Arbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft. Er kann als Grundlage für internationale Rechtshilfeersuchen dienen.
Exemplarisches Geldfluss-Diagramm
Zusammenfassung eines Krypto-Betrugsfalls – webtrader.finvestapp.cc
Sachverhalt
Dieser Bericht fasst die Ergebnisse der forensischen Analyse des Falls Gustav Pfeil zusammen, der Opfer eines Kryptowährungs-Exit-Betrugs über die Plattform freebitco.in wurde.
Allgemeine Informationen
–Fall & Schaden: Eine Privatperson meldet einen Krypto-Investmentbetrug mit einem Verlust von etwa 400.000 €. Erstkontakt über Telegram/WhatsApp durch eine Person, die sich als Anlageberater ausgab. Nutzung der nicht autorisierten Plattformen finvest.icu und webtrader.finvestapp.cc
Vorgehensweise der Täter: Vertrauensaufbau, Präsentation eines gefälschten Trading-Dashboards mit manipulierten Gewinnen, schrittweise Erhöhung der Einzahlungen (zunächst über Crypto.com, später Blockchain.com). Auszahlungen wurden blockiert; anschließend wurde eine angebliche „Blockchain-Verifizierungsgebühr“ von 13 %gefordert. Zusätzlich wurde AnyDesk zur Fernsteuerung auf dem Gerät des Opfers installiert.
Forensische Ergebnisse
Zeitliche Eckpunkte:
19.–22.08.2025: Kommunikation bricht ab; Betrug bestätigt.
25.03.2025: Erste Aktivierungszahlung (250 €).
Apr–Jul 2025: Mehrere Einzahlungen; scheinbare Gewinnentwicklung im Dashboard.
05.–10.08.2025: Auszahlungsversuche blockiert; Forderung „13 %“.
13.08.2025: Fake-Mail im Namen von „Blockchain.com“ mit neuen ETH/SOL-Adressen.
Betrugsmuster
- Belege & Methodik: Vorliegen von Chat-Protokollen, Fake-E-Mails, Transaktions-/Bankbelegen sowie On-Chain-Daten (CSV/PDF). Analyse mittels Etherscan, Solscan, Breadcrumbs, Chainalysis (OSINT-gestützt).
- Ziel & nächste Schritte: Dokumentation der Beweise, Rekonstruktion der Transaktionsketten, Identifikation von Collector-/Exchange-Adressen, Bewertung des Betrugsschemas, Einleitung von Preservation/Freeze-Anfragen bei beteiligten Dienstleistern sowie Vorbereitung/Erstattung einer Strafanzeige.
Empfohlene Maßnahmen
– KYC-Anfragen an alle involvierten Börsen .
– Anzeige bei deutschen Strafverfolgungsbehörden und internationale Zusammenarbeit (Europol, Interpol, MLAT)
– Monitoring von Cold-Wallets und verdächtigen Adressen
– Einfrieren von Vermögenswerten durch Notfallanordnungen an die Börsen
Zielführende Vorgehensweisen
- Einleitung eines Ermittlungsverfahrens
- Identifikation & Sperrung der betroffenen Wallets
- Durchführung einer Blockchain-Analyse
- Kontaktaufnahme mit Krypto-Börsen zur Abfrage von KYC-Daten
- OSINT Analyse
- Echtzeit Überwachung mit track & trace bot’s von cold wallets
- IP Tracking der Behörden
